Christoph Strässer

12.06.2016

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

170 Millionen Kinder unter 18 Jahren sind von Kinderarbeit betroffen und müssen teils unter widrigsten Umständen arbeiten. Unter Kinderarbeit fallen laut der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) alle Arbeiten oder wirtschaftlichen Tätigkeiten, die insofern gefährlich sind, als dass sie die Gesundheit sowie die soziale und physische Entwicklung langfristig beeinträchtigen können. Die Tätigkeiten können entlohnt oder nicht entlohnt sein und umfassen sowohl die Herstellung von Waren als auch die Ausführung von Dienstleistungen.

 

Am 12. Juni jährte sich zum 14. Mal der internationale Tag gegen Kinderarbeit, der von der ILO ins Leben gerufen wurde.

 

Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich entschieden für die Bekämpfung von Kinderarbeit ein. Kinderarbeit verstößt sowohl gegen nationale als auch gegen internationale Standards, die beispielsweise in der UN Kinderrechtskonvention und den ILO Übereinkommen 138 und 182 festgeschrieben sind. 

 

Kinderarbeit hängt oftmals unmittelbar mit mangelnder Bildung zusammen. So haben Kinder ohne Zugang zu Bildung nur wenige Alternativen. Sie müssen unter ausbeuterischen Bedingungen tätig werden, nicht zuletzt um das Familieneinkommen mit zu sichern. Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich für die globale Verbesserungen von Bildungschancen- und möglichkeiten für Kinder ein. Überdies fordern Fachpolitiker eine Zahlung von existenzsicheren Löhnen an Eltern. Dadurch kann der Schulbesuch der Kinder ermöglicht werden, da diese nicht mehr wie zuvor das Familieneinkommen auf ein existenzsicherndes Niveau bringen müssen.

 

Um Bürgerrechte geltend machen zu können, ist eine offizielle Registrierung notwendig. In vielen Staaten erfolgt diese nicht und wird zunehmend zu einem Problem: denn ohne dokumentierte Registrierung haben Kinder keinen Nachweis ihrer Identität und somit keine Rechte. Obwohl das Recht auf eine Geburtsurkunde in der UN Kinderrechtskonvention fest verankert ist, werden weltweit jährlich 230 Millionen Neugeborene nicht offiziell registriert. Doch ohne Registrierung bleiben einem Pass, Zugang zu Bildung sowie Bürgerrechte verwehrt. Aufgrund der erhöhten Vulnerabilität steigt die Gefahr für Kinder, Opfer von gefährlicher Arbeit, Menschenhandel oder als Kindersoldaten rekrutiert zu werden. Bei Flüchtlingen ist eine Nichtregistrierung ein besonders großes Problem, da Herkunft, Alter und Staatsangehörigkeit nicht nachgewiesen werden können. Dadurch verlieren sie ihre legale Identität, sind auf sich gestellt und genießen keinen Schutz. Deshalb soll das Recht zur Erlangung einer rechtlichen Identität für alle sowie das Unterziel der universellen Geburtenregistrierung bis zum Jahre 2030 in den Katalog der Sustainable Development Goals aufgenommen werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn Kinderarbeit kann nur unterbunden werden, wenn Bürger und Bürgerinnen ihre Rechte kennen und auch wahrnehmen können. Und das setzt eine Registrierung voraus.

 

Doch sind es nicht nur die Staaten allein, die gegen Kinderarbeit einstehen müssen; sondern es sind auch die Unternehmen, die entlang der Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen und sich der Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Produktionsländern bewusst sein müssen. Nur so kann ein Endprodukt garantiert werden, das nicht aus Kinderhänden stammt. Eine ambitionierte Umsetzung hierfür ist der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, der gemeinsam von Politik, Unternehmen, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft, Verbände und der Wissenschaft erarbeitet wurde. Der Nationale Aktionsplan folgt den Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechten der Vereinten Nationen und verbindet ökonomisches und zugleich menschenrechtliches Verantwortungsbewusstsein. Ziel ist es, eine ausgewogene und praktikable Verbindung zwischen Freiwilligkeit und Verbindlichkeit zu schaffen. Noch in dieser Legislaturperiode soll der Nationale Aktionsplan vom Bundeskabinett verabschiedet werden.