Christoph Strässer

13.08.2015

Menschenrechtsbeauftragter Strässer zum Treffen mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei

Zu meiner großen Freude konnte ich heute den chinesischen Gegenwartskünstler Ai Weiwei persönlich in Berlin begrüßen. Nach über vier Jahren wurde ihm Ende Juli durch die chinesischen Behörden ein Reisepass ausgestellt. Ich begrüße es sehr, dass der Künstler dadurch seine Reisefreiheit wiedererlangt hat. Die Reisefreiheit ist ein individuelles Recht, das in internationalen Abkommen verankert ist. Ai Weiwei musste über vier Jahre auf dieses international verbriefte Menschenrecht verzichten. Ich bin sicher, dass sich durch Wiedererlangen seiner Freizügigkeit auch seine künstlerische Freiheit in China und im Ausland mehr denn je entfalten kann. Hintergrund: Ai Weiwei gehört zu den renommiertesten Gegenwartskünstlern in China. Er ist in Deutschland vor allem seit seinem Auftritt auf der documenta 2007 bekannt. 2013 vertrat er Deutschland bei der Biennale in Venedig. Er wurde Anfang April 2011 festgenommen und Ende Juni 2011 auf Kaution aus der Haft entlassen. Nach Abschluss eines Verfahrens wegen Steuerhinterziehung wurde ihm die Herausgabe des Reisepasses unter Hinweis auf neue Ermittlungen wegen angeblicher Verbreitung von Pornografie im Internet und Bigamie verweigert. Durch den Passentzug war es ihm nicht möglich, im April 2014 an der Vernissage zur weltweit bisher größten Ausstellung seiner Werke im Martin-Gropius-Bau in Berlin teilzunehmen. Ebenso wenig konnte er im Mai 2015 den durch Amnesty International verliehenen Menschenrechtspreis „Botschafter des Gewissens“ in Berlin entgegen nehmen. Die Bundesregierung hat sich seit seiner Inhaftierung 2011 für Ai Weiwei eingesetzt.