Christoph Strässer

16.12.2014

Christoph Strässer: "Nach Deutschland geflüchtete Kinder und Jugendliche brauchen besonderen Schutz"

Auf Einladung der Initiative Menschenrechte der SPD Münster diskutierten am Internationalen Tag der Menschenrechte der Bundestagsabgeordnete und Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Christoph Strässer, sowie der Landtagsabgeordnete Thomas Marquardt gemeinsam mit Karl Materla, dem stellvertretenden Leiter des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster und Rokaya El-Hayek von der Vereinigung „Jugendliche ohne Grenzen“ über die Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland und in der Stadt Münster im Besonderen. "Das Thema Flüchtlinge ist momentan in allen Medien präsent. Viel zu wenig Beachtung jedoch findet die Tatsache, dass momentan geschätzte 65.000 Minderjährige mit unsicherem Aufenthaltstitel in Deutschland leben", erklärt Maria Buchwitz, Leiterin der Menschenrechtsinitiative. Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass in Deutschland daher wesentlich mehr für die individuelle Betreuung geflüchteter Kinder und Jugendlicher getan werden müsse, um ihnen den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung sowie sozialer Teilhabe zu erleichtern. Anlass der Diskussionsveranstaltung war die in diesem Jahr erschienene UNICEF-Studie „In erster Linie Kinder“, die darauf aufmerksam macht, dass die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 im deutschen Ausländer- und Asylrecht auch 25 Jahre später noch immer nicht vollständig umgesetzt wurde. „Im deutschen Asylverfahren wird das Kindeswohl nicht vorrangig beachtet. Besonders beim Bleibe- und Rückführungsrecht werden Kinder und Jugendliche wie Erwachsene behandelt“, erklärt Christoph Strässer, der die UNICEF-Studie im September vorstellte. „Kinder und Jugendliche bedürfen jedoch eines besonderen Schutzes“, so der Menschenrechtsbeauftragte, „deshalb spreche ich mich für ein generelles Abschiebeverbot von Kindern und Jugendlichen aus.“ Thomas Marquardt betonte, wie wichtig die schulische Ausbildung für geflüchtete Kinder sei. Das Land NRW habe für das kommende Jahr 300 neue Stellen für Lehrerinnen und Lehrer geschaffen. So soll den Kindern frühzeitig das Erlernen der deutschen Sprache ermöglicht werden. „Die Stadt Münster bekommt durch die Erhöhung der Flüchtlingspauschale zusätzlich 655.000 Euro vom Land. Dadurch kann das erfolgreiche dezentrale Münsteraner Flüchtlingskonzept noch weiter verbessert werden“, berichtet der Landtagsabgeordnete. Karl Materla und Rokaya El-Hayek stellten den rund 40 Interessierten, die zur Veranstaltung gekommen waren, ihre alltägliche Arbeit mit Flüchtlingskindern vor und betonten dabei die Notwendigkeit psychologischer Betreuung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Dabei sei es besonders wichtig, dass die Psychologinnen und Psychologen die kulturellen Hintergründe der Kinder kennen und wenn möglich ihre Muttersprache sprechen. "Wenn man selbst in ähnlicher Situation gewesen ist, kann man sich viel leichter in die Gefühlswelt der Kinder hineinversetzen", erläutert Rokaya El-Hayek, deren Eltern aus dem Libanon nach Deutschland flüchteten.