Christoph Strässer

04.06.2014

„Flüsterasphalt“ ist das Ziel

In einem Punkt war sich Christoph Strässer sicher: Eine Krise der großen Koalition in Berlin werde das Thema nicht auslösen. Aber der münsterische SPD-Bundestagsabgeordnete und seine CDU-Kollegin Sybille Benning wollen sich für aktiven Lärmschutz an der Autobahn 1 bei Nienberge einsetzen. Hierüber wollen die beiden mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprechen. Das versprachen sie den Vertretern der Lärmschutzinitiative und des Lärmschutzvereins aus Nienberge bei einem Treffen in der „Alexianer Waschküche“. Das hörte Rosemarie Bodmann, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI), gerne. Denn genau darum hatte sie die Abgeordneten gebeten. „Wir können Briefe schreiben ohne Ende, das prallt ziemlich ab“, berichtete Bodmann. Die BI habe sich schon erfolglos an den vorherigen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gewandt. Seit vier Monaten warte sie nun auf eine Antwort auf ihren Brief an Dobrindt. „Wir brauchen dringend ihre politische Hilfe“, betonte die BI-Sprecherin. Dabei ging es den Lärmschutz-Befürwortern beim jetzigen Treffen weniger um das aktuelle Planungsverfahren für den sechsspurigen Ausbau zwischen Münster-Nord und Greven. Auch wenn Bodmann durchaus anmerkte, dass dort „wieder kein aktiver Lärmschutz“ vorgesehen sei. Kernthema war aber der bereits sechsspurig ausgebaute Abschnitt zwischen Münster-Süd und Münster-Nord. Für diesen fordert die BI Nachbesserungen, um den gesundheitsgefährdenden Lärm zu reduzieren, unterstrich Bodmann. Der Wall, den der Lärmschutzverein seit 1969 in Eigeninitiative aufgeschüttet habe, sei für die vierspurige Autobahn ausgelegt gewesen und zu niedrig für die heutige Situation. Hinzu kämen Löcher in der Barriere wie an der Altenberger Straße. Auch sei das prognostizierte Verkehrsaufkommen bereits 1995 überschritten worden. Bodmann kritisierte zudem, dass der Lärm von der A 1 und der B 54 von den öffentlichen Stellen immer getrennt betrachtet würden. „Das führt zu einer völligen Verzerrung der tatsächlichen Lärmbelastung.“ Was die Lärmschutz-Streiter fordern, daran ließ die BI-Sprecherin keinen Zweifel. Passive Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutz-Fenster seien „unzureichend“, da diese nur punktuell wirkten und ab einem bestimmten Lärmpegel überhaupt nicht mehr. „Es geht um den besten Lärmschutz“, meinte auch Karl Bodmann – und der sei durch offenporigen Asphalt („Flüsterasphalt“) gegeben. „Der ist fast zweieinhalb Mal so leise. Das leistet der Wall nicht.“ Als „gemeinsames Ziel“ bezeichnete Benning den offenporigen Asphalt für den geplanten Ausbau Richtung Greven. Aber für den bereits ausgebauten Abschnitt machte sie wenig Hoffnung: „Die Rechtslage gibt nicht her, dass der Bund irgendetwas macht“, betonte die münsterische Abgeordnete. Dafür einsetzen aber wolle sie sich dennoch, ebenso wie Strässer. Dieser berichtete, dass der „Flüsterasphalt“ in den Bundesländern bisher sehr ungleich verteilt sei. Das werde sich sicherlich in den anstehenden Beratungen für den Bundesverkehrswegeplan niederschlagen. Gleichwohl begrüßte Benning, dass der Lärmschutzverein abermals die Initiative ergreifen und den bestehenden Wall erhöhen will (die WN berichteten). Diese Pläne erläuterte Architekt Wilfried Sandfort den beiden Abgeordneten. Wobei Benning das Thema nicht ganz neu war: „Das ist genau das, was wir im letzten Jahr besprochen hatten.“ Auch für dieses Vorhaben sicherte sie ihre Unterstützung zu. So wollen Benning und Strässer etwa mit dem Landesbetrieb Straßen NRW das Gespräch suchen, um beispielsweise zu ermitteln, wie hoch genau der Wall eigentlich sein müsste. WN, Von Markus Kampmann. http://www.wn.de/Muenster/Stadtteile/Nienberge/1578989-Bundestagsabgeordnete-sichern-Laermschutz-Initiativen-ihre-Unterstuetzung-zu-Fluesterasphalt-ist-das-Ziel