Christoph Strässer

09.09.2013

WN: Christoph Strässer kämpft für bezahlbare Mieten und Arbeit „nur zu akzeptablen Konditionen“

Christoph Strässer ist kein Boxer – also rein sportlich gesehen. Bereits nach dem ersten Schlag auf den Sandsack ist klar: Die jungen Talente, die sich hier in Boxsporthalle gerade beim Training tummeln, hätten allesamt leichtes Spiel mit dem Bundestagsabgeordneten, sollten sie ihm tatsächlich einmal im Ring begegnen. Von Klaus Baumeister Aber der SPD-Politiker ist auch nicht hier, um seine sportlichen Ambitionen zu dokumentieren. Nein, er ist dem Stützpunktleiter Dr. Farid Vatanparast noch einen Besuch schuldig. „Ich hatte versprochen, zur Eröffnung zu kommen, doch dann klappte es zeitlich nicht.“ Dabei ist das nagelneue Sportzentrum am Schifffahrter Damm für Strässer allemal einen Besuch Wert, „weil hier hervorragende Arbeit geleistet wird“. Damit spielt der Politiker auf das Konzept von Farid Vatanparast ab. Es sieht neben der sportlichen Förderung auch eine sozialpädagogische Betreuung vor. Jenseits des Sports hat Christoph Strässer durchaus Steherqualitäten. Eigentlich könnte er mit 64 Jahren problemlos aus dem Bundestag ausscheiden. Aber da gibt es noch die Bundestagswahl 2009. Seitdem ist für Strässer noch eine Rechnung offen. Er verlor das prestigeträchtige Direktmandat in Münster, überdies war das SPD-Ergebnis historisch schlecht. Seitdem beschleicht Strässer der Gedanke: „Das kann es nicht gewesen sein.“ Als ausgewiesener SPD-Linker hat sich Strässer vorgenommen, zwei Themen im Wahlkampf immer wieder anzusprechen: Die Mieten müssen bezahlbar bleiben. Überdies darf es Arbeit „nur zu akzeptablen Konditionen“ geben. Sprich: Der Mindestlohn muss her. Auch wenn Strässer für diese Forderungen durchaus Lob von den Linken bekommen könnte, so will er mit ihnen nichts zu tun haben. Speziell die Linken im Westen hätten vielfach eine rot-grüne Vergangenheit und damit auch einen rot-grünen Komplex. Exemplarisch nennt er den Münsteraner Rüdiger Sagel, einen Ex-Grünen: „Bevor Sagel einmal CDU und FDP kritisiert, kritisiert er zwei Mal SPD und Grüne.“ Daraus lässt sich auch ableiten, wie Strässer das Thema Koalitionen sieht: „Ich stand immer für Rot-Grün.“ Den laufenden Wahlkampf empfindet Strässer als interessant, weil er viel in Münster herum kommt. Zugleich aber auch als langweilig, „weil Merkel einfach keinen Streit aufkommen lässt“. Regelrecht „befremdlich“ indes wirkt etwas anderes auf den Bundestagsabgeordneten – und zwar die zuweilen sehr niveaulosen Debatten im Internet. „Das darf nicht der Politikstil der Zukunft sein.“ Vor allem die pauschale und oft auch polemische Politikerkritik ärgert ihn. „Ich bin 52 Jahre alt geworden, bevor ich mit Politik Geld verdient habe“, legt er Wert darauf, als Mensch mit Bodenhaftung wahrgenommen zu werden. Da ist er wieder, der Boxer. WN http://www.wn.de/Welt/Politik/Bundestagswahl-2013/Steherqualitaeten-jenseits-des-Sports-Christoph-Straesser-kaempft-fuer-bezahlbare-Mieten-und-Arbeit-nur-zu-akzeptablen-Konditionen