Christoph Strässer

24.05.2013

Versicherungspflicht für jeden verdammten Euro

Das deutsche Rentensystem sei eines der besten weltweit, sagt Anton Schaaf, nur um gleich noch eins draufzusetzen: „Nein. Es ist das beste!“ Den entsetzten Protest aus dem Publikum, das am Mittwochabend in das Café Uferlos gekommen ist, ignoriert der rentenpolitische Sprecher der Sozialdemokraten im Bundestag: „Wir müssen dieses System verteidigen und zukunftssicher machen.“ Wie das gehen soll, darüber redet Schaaf mit Thomas Keck, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, mit seinem SPD-Bundestagskollegen Christoph Strässer und mit rund 30 Zuhörern. Das Thema Rente ist ein Minenfeld für Sozialdemokraten. „Das hat uns bei der letzten Bundestagswahl das Genick gebrochen.“, räumt Schaaf ein. Besonders die Rente mit 67 sei den Wählern kaum zu vermitteln gewesen. Die Rente mit 67 ist nötig, das sagt Schaaf heute noch. „Aber noch nicht jetzt.“ Trotzdem: den demografischen Wandel und die drohende Altersarmut könne man nicht ignorieren. „Solidarrente“ heißt das Rezept der SPD gegen allzu magere Altersbezüge: 850 Euro für jeden, der 30 Beitrags- oder 40 Versicherungsjahre nachweist, auch nach längerer Arbeitslosigkeit oder bei Mini-Einkommen. „Parallel dazu muss aber auch der Arbeitsmarkt in Ordnung gebracht werden“, fordert Schaaf und verweist auf einen gesetzlichen Mindestlohn. „Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, wie soll die Rente das leisten können“, sagt auch Keck und rechnet vor: Eine Friseurin mit 1326 Euro Monatsbrutto bekomme nach 45 Beitragsjahren eine Rente von 589,95 Euro. Noch trüber sind die Aussichten für Mini-Jobber oder Pflegepersonal. „Viele Selbständige tragen ebenfalls ein bedeutende hohes Risiko für Altersarmut“, so Keck. Sie sollten darum alle in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Schaaf geht gar noch weiter: Warum nicht auch Beamte? Jeder verdammte Euro, der in diesem Land wird, sollte sozialversicherungspflichtig sein.“ was, Münstersche Zeitung vom 24.05.2013