Christoph Strässer

23.05.2013

Diskussion im Berufskolleg

Die Moderatoren Eva Lohoff und Klaus Versmold, Azubis zu Kaufleuten für Bürokommunikation, wiesen die Politiker darauf hin, sie hätten "jede Menge potentielle Wähler vor sich". Und die extrem gut vorbereiteten 250 Schüler erwarteten, dass bei kontroversen Themen auch gesagt werde, "was das für uns bedeutet". So fiel denn auch oft das Stichwort "Generationengerechtigkeit", wenn es um Staatsverschuldung, Steuererhöhungen, mangelnde Rentenanwartschaften bei geringem Einkommen oder den Mindestlohn ging. Obwohl das Quintett auf dem Podium noch nicht voll auf Angriff eingestellt war, wurde schnell klar, wo die Fronten verliefen. Rot-Rot-Grün und Schwarz-Gelb standen sich meist diametral gegenüber, während sich die Positionen innerhalb der "Lager" manchmal nur in Nuancen unterschieden. Niedriglohnsektor So freute sich Christoph Strässer (SPD), dass im Friseurhandwerk jetzt endlich ein Mindestlohn von 8,50 Euro gelte. Während Hubertus Zdebel (Linke) erklärte, seine Partei trete für einen Mindestlohn von zehn Euro ein, der sei "ehrlicher". Maria Klein-Schmeink (Grüne) wies als Gesundheitspolitikerin darauf hin, dass viele Frauen mit hoher Qualifikation im Niedriglohnsektor arbeiten müssten: "Wir brauchen gerade im Pflegebereich eine andere Entwicklung!" Das Geld falle nicht einfach vom Himmel, warnte dagegen Anja Karliczek, CDU-Kandidatin aus Tecklenburg und eingesprungen für die münstersche Bewerberin Sybille Benning. Zwar sei unstrittig, dass "davon leben können muss, wer Vollzeit arbeitet". Mehrkosten durch Mindestlöhne Karliczek stellte aber auch die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit der Betriebe bei Mehrkosten durch Mindestlöhne. Der Coesfelder FDP-Kandidat Daniel Fahr (als Ersatzmann für den frappierend ähnlich klingenden Münsteraner Daniel Bahr) wies zudem auf die katastrophalen Arbeitslosenzahlen in Südeuropa und Frankreich hin, wo es Mindestlöhne gebe. So sehr alle auch uneins waren, beim Aufruf "Wählen gehen!" herrschte Einmütigkeit. Denn wer nicht wählen gehe, werde bald von Leuten regiert, die dümmer seien als man selbst. Von Dietrich Backmann