Christoph Strässer

18.02.2013

„Rezeptvergabe wird in der Notdienstpraxis verweigert“

Die Pille danach ohne Rezept, dafür setzen sich Dr. Angelika Dohr, der münsterische Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer und die gesundheitspolitische Sprecherin Beanka Ganser ein. Zu oft werde den Frauen in Deutschland in einer Notsituation die Pille nicht verschrieben. In vielen europäischen Ländern sei die Pille dagegen rezeptfrei zu bekommen. Frauen rennen in Münster von einer Adresse zur nächsten, um die „Pille danach“ zu bekommen – Dr. Angelika Dohr, Frauenärztin und Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia in Münster, berichtet von Frauen, die an Krankenhauspforten abgewiesen worden seien. Selbst in der zentralen Notdienstpraxis in Münster seien keine Rezepte für die „Pille danach“ ausgestellt worden. „Kein Einzelfall“, sagt die Ärztin. In der Notfallpraxis in Münster sei einer Frau auch gesagt worden, so Dohr, dass sie kein Notfall sei. Die Frauenärztin wünscht sich darum, dass auch in Deutschland – wie in 28 anderen europäischen Ländern – die „Pille danach“ bald rezeptfrei zu bekommen ist. Dabei sei es nicht nötig, dass Frauen überhaupt in eine solche Schocksituation gerieten. Aber bevor die neue allgemeine Notdienstpraxis Anfang 2011 eingerichtet und dafür der frauenärztliche Notdienst aufgelöst wurde, konnten nach Angaben der Frauenärztin die Frauen in Münster die „Pille danach“ problemlos bekommen. Inzwischen werde das Rezept aber häufig verweigert, oft von fachfremden Ärzten. „Das hat nichts mit der Raphaelsklinik zu tun“, betont die Leiterin der Beratungsstelle am Berliner Platz. Sie verweist auf das Evangelische Krankenhaus und auf das Universitätsklinikum, wo die Betroffenen Hilfe erhielten – aber Zeit mitbringen müssten. Dohr begrüßt ein Umdenken nach einem Fall in Köln, wo einer vergewaltigten Frau an konfessionellen Krankenhäusern Hilfe versagt wurde. Der münsterische SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer und die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Beanka Ganser, sind überzeugt, dass eine Rezeptbefreiung auch für Ärzte eine große Entlastung bedeute, die die Frauen nicht mehr wegschickten müssten. Die beiden Politiker erwarten von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr endlich eine klare Entscheidung. WN vom 09.02.2013. Von Gabriele Hillmoth.