Christoph Strässer

14.02.2013

WN: Geduldete Flüchtlinge

Manche von ihnen leben schon länger als zehn Jahre in Deutschland. Trotzdem müssen geduldete Flüchtlinge ständig fürchten, in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt zu werden. Der Förderverein „Alte Post-Berg Fidel“ hatte jetzt den SPD-Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer an die Trauttmansdorffstraße eingeladen, um ihm die Problematik vor Ort zu schildern. Als Achtjähriger kam Basken Deli 1999 aus dem Kosovo nach Münster. Inzwischen ist der 22-Jährige Vater geworden und wohnt mit seiner deutschen Lebensgefährtin in der Trauttmansdorffstraße 73. Und das ständig in Angst – Angst davor, dass er aus seiner kleinen Familie gerissen und in seine Heimat abgeschoben wird. Denn der junge Roma ist nur geduldet, nachdem seine Aufenthaltsgenehmigung nach längerer Arbeitslosigkeit erloschen ist. Im Kosovo drohten ihm jedoch menschenunwürdige Lebensbedingungen und Diskriminierung. Außerdem: „Ich kann die serbische Sprache überhaupt nicht.“ Wie Deli geht es vielen in der restlos belegten Obdachlosenunterkunft in Berg Fidel, wegen der Mehrzahl ihrer zurzeit 180 Bewohner auch Flüchtlingssiedlung genannt. Hoffnung, dass sich an Delis Situation und der seiner Mitbetroffenen bald etwas ändern könnte, vermochte der Sprecher für Menschenrechte der SPD-Fraktion im Bundestag, der münsterische Abgeordnete Christoph Strässer, gestern nicht zu vermitteln. Karl-Heinz Winter vom Förderverein „Alte Post – Berg Fidel“ hatte seinen Parteikollegen in das von Rainer-Ludwig Daum geleitete Sozialpädagogische Zentrum der Awo nach Berg Fidel eingeladen, damit er sich vor Ort über die Situation und die Probleme der Roma-Familien informieren konnte. Persönlich sei er der Ansicht, so Strässer, „dass es nach einer bestimmten Zeit ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für solche Flüchtlinge geben sollte, die während dieser Frist nicht straffällig geworden sind“. Winter wertete den Besuch von Strässer dennoch positiv für die Bemühungen seines Vereins, nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“, die Abschiebepraxis zu ändern: „Für uns ist es wichtig, dass er das Thema in den Bundestag mitnimmt.“ Da der Zuzug von Asylbewerbern zunimmt, plant die Stadt bereits neue Übergangsunterkünfte in anderen Ortsteilen, notfalls in Containern an vorhandener Infrastruktur. Auf dem freien Wohnungsmarkt seien die Betroffenen praktisch chancenlos, sagte Winter. Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann und ihr Mitarbeiter Heinz Lembeck, die ebenfalls an dem Treffen teilnahmen, berichteten, dass die Siedlung an der Trauttmansdorffstraße langfristig aufgegeben werden soll, da deren isolierte Lage die Integration ihrer Bewohner erschwere. WN vom 14.02.2013. Von Uwe Wahlbrink. Foto: uwa.