Christoph Strässer

06.07.2012

Späte Genugtuung für die Opfer der Diktatur in Argentinien

Neugeborene ihren Müttern wegzunehmen, an Armeeangehörige zu geben und die Mütter zu ermorden – menschenverachtender geht es kaum. Gerechtfertigt wurde dieser systematische Babyraub selbst noch nach über 30 Jahren von den Angeklagten damit, dass die Mütter „Aktivistinnen einer Terrorismusmaschinerie“ gewesen seien. 500 Kinder sollen auf diese Weise an regimetreue „Eltern“ gegeben worden sein. Die Verurteilung der ehemaligen Diktatoren Videla und Bignone zu 50 bzw. 15 Jahren Haft ist nur symbolisch, sind doch beide bereits wegen anderer Verbrechen lebenslang in Haft. Auch weitere Militärs wurden zu zum Teil hohen Haftstrafen verurteilt. Für die Opfer und die gesamte argentinische Gesellschaft ist das Urteil von größter Bedeutung. Es erkennt das Leid der Opfer an und fördert die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Nur so kann zumindest langfristig eine Aussöhnung gelingen. Jahrzehntelang haben die Großmütter der Plaza de Mayo ihre Töchter und Enkel/innen gesucht und die Aufarbeitung der Verbrechen während der Militärdiktatur gefordert. Erst unter Präsident Nestor Kirchner wurde dies ab 2003 möglich, nachdem die Amnestiegesetze aufgehoben worden waren.