Christoph Strässer

09.02.2012

Grußwort zur Mahnwache für Tibet in Münster

Sehr geehrte Damen und Herren – All jene die sich heute Abend hier versammelt haben. Leider ist es mir nicht möglich, persönlich an der Mahnwache teilzunehmen. Ich möchte deshalb mit diesem Grußwort deutlich machen, dass es mir wichtig und ein besonderes Anliegen ist, mit Ihnen auf die fortdauernde Unterdrückung des tibetisches Volkes aufmerksam zu machen und auf diesem Wege meine Solidarität zu erklären. Schon wieder erreicht uns die Meldung, dass sich vergangenen Freitag drei weitere tibetische Mönche selbst verbrannt haben. Verbrannt aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung des tibetischen Volkes. Von der Welt fast völlig abgeschottet und im festen Griff Chinas, scheint sich Schreckliches in Tibet abzuspielen. Aus diesem Grund sind Sie heute hier: um Solidarität zu bekunden mit jenen, deren Lage so verzweifelt ist, dass sie zu einem derart drastischen Mittel wie der Selbstverbrennung greifen. Wir verurteilen das brutale Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen Tibeter, die für nichts weiter sich einsetzen, als den Erhalt ihrer Kultur, ihrer Identität und ihrer Religion – im Rahmen des in der Verfassung der Volksrepublik China garantierten Status für ethnische Minderheiten. Wir verurteilen die alltägliche Diskriminierung und Entmündigung von Menschen in Tibet, in Xingjiang und in Sichuan und wir verurteilen die Unterdrückung der tibetischen Religion und Kultur durch die chinesischen Behörden. Wir mahnen für ein friedliches Miteinander und die Wiederaufnahme von Gesprächen im Rahmen des sino-tibetanischen Dialoges. Nach den gewaltsamen Ausschreitungen von 2008 ist unsere Sorge groß, dass die Lage eskaliert und erneut die Gewalt auf die Straßen Tibets zurückkehrt. Die aktuellen Bilder aus Syrien und anderen Ländern sollten allen eine Mahnung sein, dass man mit der gewaltsamen Unterdrückung seiner Bevölkerung keine gemeinsame Zukunft aufbauen kann. Stabilität ohne die Einhaltung von Menschenrechten ist keine Stabilität für die Zukunft und hat keine Zukunft. Die politisch festgefahrene Lage spielt nur den Hardlinern in die Hände, die Bereitschaft und Möglichkeiten zum Dialog werden immer stärker eingeschränkt. Wir ermutigen daher die neue tibetische Exilregierung unter Dr. Lobsang Sangay weiterhin nur und ausschließlich mit friedlichen Mitteln für Ihre Anliegen zu werben. Und wir fordern die chinesische Regierung auf, ihre Repressalien gegen die tibetanische Minderheit zu beenden, die politischen Gefangenen freizulassen und wieder in Gespräche mit der tibetischen Exilregierung einzutreten sowie den Tibetern endlich eine „echte“ kulturelle und religiöse Autonomie zu gewähren. Ich wünsche mir und fordere auch von der Bundesregierung ein, dass die Lage der Menschenrechte bei allen Regierungsgesprächen eine hervorragende Rolle spielt. Deshalb ist es schwer erträglich, dass die Bundeskanzlerin während ihres Aufenthalts in China vergangene Woche die Entwicklung in Tibet und die mittlerweile mehr als 20 Selbstverbrennungen von tibetischen Mönchen und Nonnen offensichtlich nicht thematisiert hat . Ein Beleg für Werteorientierung in der deutschen Außenpolitik ist das nicht! Nur ein offener und öffentlicher Dialog kann eine nachhaltig wirksame Beziehung zum Wohle der Menschen begründen. Mit freundlichen und solidarischen Grüßen Ihr Christoph Strässer