Christoph Strässer

06.07.2011

PID: Die Würde des Menschen im Zentrum der Diskussion

"Niemand im Bundestag geht leichtfertig mit dem Thema PID um. Für mich ist klar, dass grundsätzlich ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik gelten sollte. Allerdings muss es eine Ausnahme geben: Für den Fall, dass bei den Eltern oder einem Elternteil eine genetische Disposition vorliegt, aufgrund derer eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit besteht oder mit einer Tot- oder Fehlgeburt gerechnet werden muss." Christoph Strässer unterstützt damit einen von insgesamt drei dem Bundestag am Donnerstag zur Entscheidung vorliegenden Anträge zum Thema Präimplantationsdiagnostik. Das Besondere bei diesen Anträgen: Sie werden nicht wie sonst üblich von den Regierungsfraktionen oder den Oppositionsparteien eingebracht. "Das Thema PID wird nicht entlang der Parteigrenzen entschieden. Die Haltung zu PID ist eine Gewissensentscheidung, die jede und jeder Abgeordnete unabhängig von sonst geltenden Fraktionsdisziplinen treffen muss. Die Meinungen gehen quer durch alle Fraktionen" so Strässer. „Für mich steht außer Frage, dass jedes Leben lebenswert ist. Aber zugleich gibt es Menschen mit Veranlagungen, die zu Fehl- oder Totgeburten führen können. Hierbei geht es auch um Paare, die bereits entsprechende Erfahrungen machen mussten: ein Kind zur Welt zu bringen, dass nach nur wenigen Wochen oder Monaten qualvoll verstarb und die sich auch angesichts dieser Erfahrung ihren Kinderwunsch erfüllen wollen. Diesen Menschen die Hilfe zu verweigern, die ihnen PID bieten kann, ist auch nicht verantwortbar. Wir haben einen Wertekonflikt, den der Gesetzgeber lösen muss. „Wichtig für mich ist, dass wir einen Dammbruch verhindern, mit dem jegliche Form von Selektion bis hin zur Auswahl der Embryonen für sogenannte „Designerbabys“ möglich würde. Denn es bleibt dabei: Ein Recht auf ein gesundes Kind gibt es nicht. Deshalb ist es auch nötig, die PID nur in eng begrenzten Ausnahmefällen zuzulassen: Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen ist verpflichtend Aufklärung und Beratung durchzuführen, das positive Votum einer interdisziplinär zusammengesetzten Ethik-Kommission einzuholen, die PID darf nur an einem lizenzierten Zentrum durchgeführt werden.“ Strässers Position vertreten zurzeit auch der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier und Brigitte Zypries, Vorsitzende des Kuratoriums des Deutschen Behindertensportverbands e.V. (DBS) und des Nationalen Paralympischen Komitees für Deutschland (NPC), sowie viele weitere Abgeordnete aus allen Fraktionen. Unter Präimplantationsdiagnostik versteht man Untersuchungen, die dazu dienen, bei einem durch in-vitro-Fertilisation, also „künstlich“ erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten und Besonderheiten der Chromosomen vor der Implantation in den Mutterleib zu erkennen. Zweck der Diagnose ist es, eine Hilfe bei der Entscheidung zu sein, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht. Und genau an dieser Entscheidung trennen sich die Meinungen. Insgesamt drei Anträge liegen dem Deutschen Bundestag zum Thema PID vor. Hinter jedem Antrag stehen Abgeordnete aus verschiedenen Parteien. Alle drei Anträge sehen ein grundsätzliches PID-Verbot vor. Zwei der drei Anträge lassen allerdings Ausnahmen von diesem Verbot zu.