Christoph Strässer

16.08.2010

Gastkommentar für die Braunschweiger Zeitung von Christoph Strässer

Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in Nigeria, die Verfolgung von Bahai in Iran oder die Zerstörung von Kirchen durch Hindus in Indien – weltweit nehmen religiös begründete Konflikte und die Verfolgung religiöser Minderheiten zu. In über 60 Ländern ist die Religionsfreiheit stark eingeschränkt. Zwar geht es oft nur vordergründig um Religion. Unterschiedlichste politische Motive, soziale Ungleichheit und kulturelle Differenzen bilden zumeist die tatsächlichen Ursachen. Die Leidtragenden aber sind meist Angehörige religiöser Minderheiten. Sie werden diskriminiert, verfolgt, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt oder sogar getötet. Religions- und Glaubensfreiheit aber ist ein Menschenrecht. Es ist in zahlreichen internationalen Abkommen und nationalen Verfassungen verankert und garantiert jedem Menschen, dass er eine Religion oder Weltanschauung haben, sie in der Öffentlichkeit praktizieren und für sie werben kann. Das Recht beinhaltet auch, dass er seine Religion wechseln oder atheistisch leben kann. Vielerorts ist all dies nicht möglich: Wer in China außerhalb der anerkannten Religionsgemeinschaften seinen Glauben praktizieren will, muss dies aus Angst vor Repressionen im Untergrund tun. Auch die tibetischen Buddhisten, vor allem die Nonnen und Mönche in den Klöstern, stehen bei der chinesischen Regierung religiös wie politisch unter Generalverdacht und werden streng kontrolliert. Allein der Besitz eines Fotos des Dalai Lama kann eine langjährige Haftstrafe einbringen. In islamischen Ländern wiederum ist der Wechsel vom Islam zu einer anderen Religion – in der Regel zum Christentum – streng verboten. Auf dieses „Vergehen“ steht in Iran, Saudi-Arabien, Pakistan oder Afghanistan die Todesstrafe. In Europa ist Religionsfreiheit besser umgesetzt als in anderen Teilen der Welt. Aber auch hier wird wieder kontrovers über das Recht auf Religionsfreiheit diskutiert, sei es über die Bekleidung mit einer Burka, das Tragen von Kopftüchern im Unterricht, das Kruzifix im Klassenzimmer oder den Bau von Moscheen. Dabei geht es jeweils darum, wie in der Öffentlichkeit mit religiösen Symbolen umgegangen wird. Ein pauschales Bauverbot von Minaretten wie in der Schweiz würde zwar in Deutschland gegen das Neutralitätsgebot des Grundgesetzes verstoßen. Forderungen nach einem Burka-Verbot wurden aber auch hier laut. Staat, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften sind weltweit gleichermaßen gefordert. Ziel muss ein tolerantes Miteinander von Angehörigen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen sein.