Christoph Strässer

02.12.2009

Roter Salon: Ethik in der Stammzellenforschung

„Unsere Verantwortung selbst zu entscheiden wächst, weil wir nicht mehr alles auf biologische Prozesse abschieben können“. Das war ein Resümee, das der Vorsitzende der Zentralen Ethik Kommission für die Stammzellenforschung, der Münsteraner Prof. Ludwig Siep, während der Diskussion in der Villa ten Hompel zog. Dorthin hatten die Münsteraner Abgeordneten Christoph Strässer MdB, Dr. Anna Boos MdL und Svenja Schulze MdL zum nunmehr fünften Mal zu einem „Roten Salon“ eingeladen. „Ethik in der Stammzellenforschung“ lautete das nicht gerade leichtgängige Thema, zu dem am Sonntag-Mittag die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Ethiker Ludwig Siep und den Münsteraner SPD-Parlamentariern diskutierten. Die Stammzellenforschung ist, das war allen Diskussionsteilnehmern bewusst, eine wissenschaftliche Forschung, in die viele Menschen – vor allem mit chronischen und schweren bislang unheilbaren Erkrankungen – große Hoffnungen setzen, mit deren Ergebnissen Pharmakonzerne hoffen, nicht nur neue Therapien und Medikamente zu entwickeln, sondern mit diesen auch große Gewinne zu erzielen. Und die Stammzellenforschung unterliegt in Deutschland einer besonderen Beobachtung und kritischen Würdigung. Dies ist erklärbar aufgrund der historischen Belastung, die sich dadurch ergibt, dass sich medizinische Forschung während des Nationalsozialismus in den Rassenwahn hat einbinden lassen und schwerste Verbrechen begangen wurden. Spricht man also über Stammzellenforschung, so kann in Deutschland nicht nur über objektive wissenschaftliche Ergebnisse, Potenziale und Probleme gesprochen werden. Ethische und politische Aspekte spielen eine ebenso wichtige Rolle. „Was, beispielsweise geschieht eigentlich, wenn in einem Land außerhalb Deutschlands durch Stammzellenforschung ein Medikament gegen Parkinson gefunden wird. Darf es dann nicht nach Deutschland importiert und darf es nicht angewandt werden, nur weil die entsprechende Grundlagenforschung und wissenschaftliche Anwendung in unserem Land nicht erlaubt ist?“ Mit dieser Frage spitzte Christoph Strässer die Diskussion zu und traf damit den Nagel auf den Kopf. Aber auch andere Aspekte spielten in der regen und sachlichen Diskussion eine Rolle: Wie kann, angesichts einer auch in der Wissenschaft offenen Welt, überhaupt noch im nationalen Rahmen über die Frage nach dem Sinn der Stammzellenforschung gestritten werden. Oder: Warum wird so viel Geld für eine Forschung ausgegeben, deren Ergebnisse noch gar nicht abzusehen sind, wo doch schon ein kleiner Teil der immensen Summen, die in diese Grundlagenforschung gesteckt werden, ausreichten, um effektiv etwas gegen die Malaria in den afrikanischen Staaten zu tun? Die Diskussion blieb, anderes war nicht zu erwarten, ohne eine abschließende Feststellung dessen, was richtig oder falsch wäre. Klar war nur, dass viele der andiskutierten Aspekte eine eigene Diskussion im Rahmen eines der nächsten „Roten Salon“ verdienen würden. Möchten Sie zum nächsten „Roten Salon“ eingeladen werden? Schreiben Sie uns einfach eine Mail mit Ihrem Namen, Ihrer Postadresse und wir laden Sie gerne ein.