Christoph Strässer

05.08.2009

„Förderung für Kinder statt neuer Sheriffs“

„Für Ampelanlagen gilt in Deutschland, dass sie alle zwanzig Jahre zu erneuern sind. Eine ähnliche Verordnung für die Renovierung von Toiletten in Schulen existiert nicht.“ Mit diesem einleuchtend krassen Vergleich untermauerte SPD-Oberbürgermeisterkandidat Wolfgang Heuer seine Forderung nach mehr Engagement für Bildung und Investitionen in die Sanierung von Schulen. Einig war er sich darin mit Christel Humme, der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, die auf Einladung der SPD mit Wolfgang Heuer, Lehrerinnen, Erzieherinnen und interessierten Bürgern im Café Colibri diskutierte. „Gute Bildung von Anfang an“, so lautete das Thema der Veranstaltung und die Förderung frühkindlicher Bildung stand im Zentrum der Diskussion. „Was die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems anbelangt, steht die Bundesrepublik im europäischen Vergleich schlecht da. Kinder aus Arbeitnehmerfamilien haben auch heute noch sehr viel schlechtere Chancen einen Hochschulabschluss zu erlangen als Kinder aus Akademikerfamilien und Familien mit höherem Einkommen“ beklagte Frau Humme eine der aus Sicht der Sozialdemokraten größten Ungerechtigkeiten. Auf die Frage, was denn Andere, wie beispielsweise die skandinavischen Länder, anders machten, wusste sie zu berichten, dass u.a. die Bildungsförderung so früh wie möglich einsetze. „Wir müssen mehr in die Qualität der Bildung und auch der frühkindlichen Förderung investieren“ forderte die SPD-Expertin aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Heuer pflichtete seiner Kollegin aus dem Bundestag bei. Obwohl Münster eine vergleichsweise reiche Stadt sei, müsse man feststellen, dass immerhin 8 Prozent der Münsteraner Schülerinnen und Schüler die Schule ohne eine Abschluss verlassen. Ein Umstand, den der Sozialdemokrat auch auf die Versäumnisse in der frühkindlichen Förderung zurückführte. „Die SPD wird nach dem politischen Wechsel in Münster ein beitragsfreies Kita-Jahr einführen“, war eine seiner Schlussfolgerungen. Auf die Frage, wie die Finanzierung vonstatten gehen solle, stellte Heuer klar, dass es trotz Finanzkrise und zurückgehender Steuereinnahmen durch das Setzen anderer politischer Prioritäten möglich sei, diese Forderung umzusetzen: „Wenn man, wie die CDU sechs neue Stellen im Ordnungsdienst der Stadt fordert, aber nichts für die Förderung unserer Kinder übrig hat, dann zeigt das die unterschiedlichen Prioritätensetzungen auf. Wir brauchen keine neuen Sheriffs auf den Straßen, sondern mehr Investitionen in die Förderung unserer Kinder“. Und in einer weiteren Forderung waren sich Heuer und Hummel einig: Die gesamte Bildung, von der Kita bis zur Hochschule müsse Beitragsfrei sein. Der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer, der die Diskussion moderierte, betonte, dass die SPD in ihrem Bundestagswahlprogramm nicht umsonst die Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung fordere. „Es ist ein Skandal, dass die Union sich weigert, Kinderrechten Verfassungsrang einzuräumen. Es ist für alle Ebenen der Politik wichtig, dass die Umsetzung und Sicherstellung der Rechte von Kindern – und dazu zählt auch das Recht auf Bildung – Verfassungsrang erhält“ erklärte Strässer.