Christoph Strässer

23.07.2008

Historischer Tag für die bosnischen Opfer

Die Verhaftung des früheren Serbenführers Radovan Karadzic ist ein historischer Tag für alle Kriegsversehrten und Angehörigen der Opfer. Zunehmend haben sie sich von Politik und Justiz im Stich gelassen gefühlt. Die bosnischen Muslime sind durch das Massaker von Srebrenica zutiefst traumatisiert. 8000 Männer und Jungen sind damals ermordet worden. Die Hauptverantwortlichen für diesen Völkermord, Radovan Karadzic und sein General Ratko Mladic, wurden bis heute – 13 Jahre danach - nicht zur Verantwortung gezogen, sondern von nationalistischen Serben sogar als Helden gefeiert. Die Festnahme von Karadzic ist auch ein guter Tag für die internationale Gerichtsbarkeit, die immer wieder zwischen die Mühlen nationaler Interessen geraten war. Karadzic sollte nun so rasch wie möglich an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert und wegen Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden. Damit ginge ein klares Signal in die Welt, dass solche unvorstellbaren Taten konsequent geahndet werden, auch die der „großen Fische“. Die serbische Regierung ist nun aufgerufen, alles zu tun, damit auch Mladic gefasst wird. Nur mit der Aufarbeitung der damaligen Gräueltaten kann ein politischer Neubeginn und eine gesellschaftliche Aussöhnung erfolgen. Einer Annäherung Serbiens an die EU steht dann nichts mehr im Wege.