Christoph Strässer

13.03.2008

Seine Stimme gegen Armut

Von einem Rockstar muss man sich schon so einiges bieten lassen. Nicht nur die Bühne mussten Peter Struck und seine Stellvertreter am Dienstag mit U2-Sänger Bono teilen. Der berühmte Ire ergriff auch gleich die Glocke, mit der sonst der Fraktionsvorsitzende seine Abgeordneten zur Disziplin ruft. Bono wollte Gehör finden für einen Kontinent, der ohne fremde und ohne prominente Hilfe der Armutsfalle nicht entkommt: Afrika. Dass er in der SPD-Fraktionssitzung auf offene Ohren stoßen würde, wusste er. Bono erinnerte daran, wie 1999 beim G8-Gipfel in Köln die Entschuldungsinitiative für die ärmsten Länder begonnen wurde – angestoßen von Gastgeber Gerhard Schröder. „Es gibt eine neue Stimmung in diesem Land“, sagte der Sänger, die Menschen wollten eine gerechtere Welt. Mit einem Plus von 750 Millionen Euro zeigt der aktuelle Etat des Entwicklungsministeriums, wie drängend das Thema für die Sozialdemokraten ist. Applaus gab es deshalb von Bono für Finanzminister Peer Steinbrück. „Ich gehe davon aus, dieser Betrag wird steigen“, schob der ambitionierte Afrika-Helfer augenzwinkert hinterher. Er gehöre einer Generation an, die regelmäßig Menschen ins All schicke – „da muss es doch auch möglich sein, jedes Kind zur Schule zu schicken“, mahnte Bono. Ein Schritt dorthin ist gemacht: Seit 2000 ist die Zahl der Kinder in Afrika ohne Schulplatz von 125 Millionen auf 72 Millionen gesunken, statt sieben Schüler müssen sich nur noch drei ein Buch teilen. „Es ist nicht perfekt, aber besser“, erklärte der U2-Frontmann. Die Milleniumziele sind damit noch lange nicht erreicht. „Sie erlauben uns, die Realität zu erkennen“, sagte Bono mit Blick auf das, was noch zu tun ist. „Praktische Politik ohne Visionen ist blind“, rief er den Abgeordneten zu. Und zeichnete seine: „Ich will Teil einer Generation sein, die gegen extreme, brutale und stupide Armut gekämpft und gewonnen hat.“ Der Besuch in der Fraktion war nur mit ein bisschen Schwindelei möglich. Seine Band glaube, er sei zu Studio-Aufnahmen in Dublin. „Ich bin durchs Badezimmerfenster raus“, scherzte Bono. Applaus war dem weltbekannten Iren auch auf der Struckschen Bühne sicher. Dem Fraktionsvorsitzenden gab er dann auch artig seine Glocke zurück.