Christoph Strässer

12.03.2008

Angespannte Menschenrechtslage im Tschad

Die politische und menschenrechtliche Lage im Tschad sei aufgrund der Verhängung des Ausnahmezustands nach dem Putschversuch von Rebellen im Februar äußerst angespannt. Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger könnten nur unter hohem persönlichen Risiko arbeiten. Von der Regierung würden sie mit der politischen Opposition gleichgesetzt, schikaniert und bedroht. Viele hätten sich nach Kamerun, Frankreich oder Kanada in Sicherheit gebracht. Dies berichteten die beiden bekannten Menschenrechtsaktivistinnen Jacqueline Moudeina und Delphine Kemneloun bei ihrem Besuch in Berlin, wo sie sich auf Einladung von Misereor aufhielten. Nach Auffassung der beiden Menschenrechtsaktivistinnen könne der Konflikt im Tschad nur durch einen Dialog friedlich gelöst werden. Deutschland solle seine wichtige Rolle in der EU nutzen, damit Brüssel einen solchen Dialog unter der Leitung eines allseits anerkannten Vermittlers initiiere. In diese Gespräche müssten alle Akteure im Tschad einbezogen werden – Regierung, Armee, Rebellen und Zivilgesellschaft. Präsident Déby setze dagegen immer noch auf selektive Gespräche mit einzelnen Oppositionsgruppen und favorisiere letztlich eine militärische Lösung. Jacqueline Moudeina und Delphine Kemneloun äußerten auch ihre Sorge über die Situation der verhafteten Oppositionellen. In diesem Zusammhang kritisierten die beiden Frauen, dass es nach dem Putschversuch trotz der hohen Gefährdung tschadischer Menschenrechtsverteidiger und Oppositioneller äußerst schwierig gewesen sei, ein Visum für Frankreich zu erhalten. Dieses könne lebensrettend sein. Jacqueline Moudeina und Delphine Kemneloun selbst sind über Gabun nach Frankreich gereist. Jacqueline Moudeina ist Präsidentin der Tschadischen Vereinigung für die Verteidigung und Förderung der Menschenrechte. Im Jahr 2001 entkam sie nur knapp einem auf sie verübten Anschlag.