Christoph Strässer

12.02.2008

Gegen den Missbrauch von Kindern in Kriegen

Wenige Tage vor dem diesjährigen Red Hand Day wurde der kongolesische Oberst Mathieu Ngudjolo Chui festgenommen und an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert. Eines der zahlreichen Verbrechen, die ihm zur Last gelegt werden, ist die Rekrutierung von Kindersoldaten. Auch auf den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony wartet in Den Haag ein Haftbefehl, weil er in Norduganda ganze Armeen aus Kindersoldaten aufgestellt hat. Der Internationale Strafgerichtshof schickt eine klare Botschaft in die Welt: Wer Kinder und Jugendliche in den Militärdienst zwingt, wird dafür juristisch zur Verantwortung gezogen. Schätzungsweise 250.000 Kinder sind gegenwärtig zwangsweise rekrutriert oder mangels Lebensperspektive notgedrungen in militärischen Verbänden. Familiär entwurzelt, häufig unter Drogen gesetzt und durch das Erlebte schwer traumatisiert, kämpfen und töten die Kinder im Auftrag von gewissenlosen Milizenführern. Mädchen werden nicht nur als Kämpferinnen eingesetzt, sondern auch als Arbeits- und Sexsklavinnen. Die 2007 verabschiedeten Pariser Prinzipien enthalten Empfehlungen zur Prävention von Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten sowie zu ihrer Demobilisierung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Die Pariser Prinzipien sprechen sich auch nachdrücklich gegen eine Amnestie bei Verbrechen gegen Kinder aus. Das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention über Kindersoldaten haben über 100 Staaten ratifiziert. Trotzdem sind viele Regierungen insbesondere in Afrika und Asien unwillig oder nicht in der Lage, die Vereinbarungen umzusetzen. Auch deshalb will die Europäische Union mit ihren Leitlinien zu Kindern und bewaffneten Konflikten Regierungen und nichtstaatliche Akteure in Drittstaaten bei Maßnahmen unterstützen, die Kinder vor einem bewaffneten Einsatz schützen und Täter bestrafen sollen. Der Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten muss mit einem Kampf zur Begrenzung des Handels mit Kleinwaffen einhergehen. Kleinwaffen sind flexible und leicht handhabbare Kampfmittel, mit denen auch Kinder ausgerüstet werden können, die oft nicht älter als acht Jahre sind. Deshalb ist der UN-Aktionsplan gegen Kleinwaffen so wichtig. Wenn die Teilnehmer der Berichtskonferenz im Juli dieses Jahres in New York die Umsetzung des Aktionsplans beraten werden, sollten sie an die Kinder und Jugendlichen denken, die mit diesen Waffen kämpfen und töten und deren eigenes Leben dabei zerstört wird.