Christoph Strässer

30.11.2006

Im Frieden sterben

Wenn es je eine Berechtigung für eine militärische Intervention durch die UN gab, dann in Darfur, berichtete Christoph Strässer, SPD Bundestagsabgeordneter aus Münster. Was ich dort gesehen habe, war das Schlimmste, was ich in meiner politischen Arbeit bisher erlebt habe. In Darfur sterben jeden Monat 15.000 Menschen an den Folgen eines gnadenlosen Krieges. 2,6 Millionen sind auf der Flucht. Offiziell wird die humanitäre Katastrophe von der Zentralregierung einfach ignoriert. Christoph Strässer, Mitglied im Bundestagsausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, hat in Münster über die Situation in Darfur informiert, gemeinsam mit Ulrich Delius, Afrika Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker und Ahmed Musa Ali, Geschäftsführer der Darfur Hilfe aus Bielefeld. Einig waren sich die drei, dass die internationale Staatengemeinschaft in diesem Krieg bisher kläglich versagt hat. Wir bekommen jede Woche neue Berichte von Überfällen auf Dörfer und Flüchtlingslager. Vergewaltigungen werden systematisch als Kriegsmittel eingesetzt, so Ulrich Delius. Wegen der großen Gefahren ziehen sich die Hilfsorganisationen zurück. Das hat katastrophale Folgen für Millionen Flüchtlinge. Zu den zentralen Aufgaben des 21. Jahrhunderts, wie sie in den UN-Entwicklungszielen formuliert sind, gehört vorrangig die Beseitigung der extremen Armut und des Hungers. Dass Armut und Hunger häufig politische Gründe hat, belegen die jüngsten Entwicklungen im Sudan, sagte Ahmed Musa Ali. Die sudanesische Regierung lasse planmäßig und kontinuierlich große Teile der schwarzafrikanischen Bevölkerung Darfurs von arabischen Reitermilizen vertreiben. Die aktuelle Politik ist eine Arabisierung des Landes. Offiziell gibt es ein Friedensabkommen für die Region, aber die Menschen sterben, weil der Frieden nur auf dem Papier steht. International gäbe es einen sprachlichen Eiertanz darum, ob es sich in Darfur um Völkermord handeln würde oder nicht, so Delius. Wenn die UN dies offiziell feststellen sollte, müsste die Staatengemeinschaft unverzüglich eingreifen, auch militärisch. Dabei sei es für die Opfer völlig egal, wie ihre Situation in Diplomatensprache genannt wird. Einig waren sich die drei Podiumsmitglieder, dass notfalls die EU aktiv werden müsse, solange die UN es nicht schaffe, das Friedensabkommen zu sichern. Bei der UN erhält die sudanesische Regierung regelmäßig Rückendeckung von einigen arabischen Staaten und China, das seit Jahren große Mengen sudanesischen Öls importiert. Wir brauchen dringend ernsthafte Sanktionen gegen das Regime im Sudan, sonst sterben die Menschen in meiner Heimat weiter, appellierte Ahmed Musa Ali. Die Veranstaltung zu Dafur war Teil der Reihe Keine Ausreden - Handeln jetzt, mit der die Stadt Münster, das Eine Welt Forum Münster und Vamos e.V. derzeit auf die UN-Entwicklungsziele als Herausforderung für Münster aufmerksam machen. Gefördert wird die Informationsreihe durch das Land Nordrhein-Westfalen über die InWEnt Gmbh.