Christoph Strässer

24.11.2006

Frauen vor Gewalt in bewaffneten Konflikten schützen!

Am diesjährigen internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wird der Europarat eine Kampagne beginnen, welche die Parlamente der 46 Mitgliedsstaaten aufruft, sich gemeinsam für die Bekämpfung der familiären Gewalt an Frauen einzusetzen. Durch öffentliche Veranstaltungen, Parlamentsdebatten und Anhörungen soll in einem Raum, in dem 800 Millionen Menschen leben, über Gewalt in der Familie und über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden. Die Koalitionsfraktionen haben gestern einen Antrag zu dieser Thematik eingebracht und die konsequente Umsetzung der UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit gefordert. Der Fokus der Resolution liegt auf drei Bereichen: Prävention von Konflikten, politische Teilhabe von Frauen in (post-)konfliktiven Situationen und Schutz von Frauen vor Gewalt. Kriege und gewaltsame Konflikte bringen großes Leid über die Zivilbevölkerung. Frauen sind davon in doppelter Weise betroffen. Neben den Schrecknissen und Nöten des Krieges sind sie oftmals sexueller Gewalt ausgesetzt. Vergewaltigungen, Verschleppungen und Misshandlungen von Frauen können eine gezielt verfolgte Kriegsstrategie sein. Gewalt an Frauen wird nicht nur durch feindliche Soldaten oder Milizen ausgeübt. Sie ist vor allem auch im eigenen Familienkreis zu finden, besonders massiv nach dem Ende militärischer Konflikte. Auch in Flüchtlingslagern ist die Gewaltrate gegenüber Frauen hoch. Neben ihrer Rolle als Opfer müssen Frauen aber auch als entschlossen Handelnde gesehen werden. Meist sind sie es, die unter schwierigsten Bedingungen und hohem eigenen Risiko für ihre Rechte kämpfen, soziale Verantwortung übernehmen und sich um die Familie kümmern. Um auf dieses Potential aufmerksam zu machen, hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Ende 2000 die Resolution 1325 verabschiedet. In ihr wurde die wichtige Rolle von Frauen bei der Verhütung und Lösung von Konflikten sowie beim Wiederaufbau hervorgehoben. In dem Antrag „UN-Resolution 1325 – Frauen, Frieden und Sicherheit – konsequent umsetzen“ wird die Bundesregierung aufgefordert, bei der Umsetzung der Resolution eng mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenzuarbeiten und deren Kompetenz mit einzubeziehen. Frauengruppen und -netzwerke vor Ort müssen über ihre Möglichkeiten und Rechte informiert werden. Nur so können sie in Verhandlungen und Entscheidungsprozessen eine gleichberechtigte Rolle spielen. Auch bei humanitären und entwicklungspolitischen Maßnahmen müssen die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen angemessen berücksichtigt werden. Zum nächsten Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2007 soll die Bundesregierung in einem aktuellen Bericht über ihre Maßnahmen zur Umsetzung der Resolution 1325 Auskunft geben.