Christoph Strässer

23.11.2006

Christoph Strässer besucht Ärztliche Kinderschutzambulanz des DRK in Münster

Das Thema Kinderschutz hat seit dem „Fall Kevin“ in Bremen wieder an beunruhigender Aktualität gewonnen. Doch der heutige Besuch des Münsteraner Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer (SPD) in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz des Roten Kreuzes war schon lange vor Bekanntwerden dieses tragischen Falls geplant. Auf Einladung von DRK-Geschäftsführer Ulrich Schindler informierte sich Strässer über die Arbeit des Teams, bestehend aus Psychologen, Sozialarbeiterinnen, Dipl.-Pädagogen und einer Ärztin. Die Beratungs- und Therapieeinrichtung arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten mit Kindern und Jugendlichen, die Erfahrung von sexueller und/oder körperlicher Gewalt und/oder Vernachlässigung gemacht haben. Zur Diagnostik und Therapie kommen auch Jugendliche, die Kinder sexuell missbraucht haben. Stephanie Kersting, Leiterin der Kinderschutzambulanz, nennt erschreckende Zahlen: „Wir haben pro Jahr um die 260 Neuanmeldungen, häufig sind pro Familie fünf und mehr Kinder betroffen.“ In enger Zusammenarbeit mit den Jugendämtern in Münster und dem Münsterland wird dann versucht, in Einzelsitzungen, Familiengesprächen oder Therapiegruppen Lösungen zu finden. Durch die hohe Professionalität der Mitarbeiter ist die Kinderschutzambulanz auch als fachliche Beraterin von Institutionen und Gutachterin gefragt – und das weit über Münster hinaus bis zur niederländischen Grenze und ins Ruhrgebiet. So beteiligt sich die Einrichtung etwa an einer langfristigen Studie des forensischen Instituts der Universitätsklinik Essen, worin untersucht wird, welche Therapieansätze bei jugendlichen Sexual(straf)tätern die beste Wirkung zeigen und wodurch Rückfälligkeit ausgelöst werden kann. Einmalig in Deutschland ist bisher die so genannte Clearingstelle unter Federführung der Kinderschutzambulanz, die vor acht Jahren in Münster etabliert wurde. Hier treffen sich bei Bedarf wöchentlich Vertreter von Polizei bzw. Staatsanwaltschaft und Jugendamt, mit einer Familienrichterin a.D., einer Ärztin und einer Psychologin. Ziel der Einrichtung ist es, aus multiprofessioneller Sicht Verdachtsmomente für einen Kindesmissbrauch einzuschätzen und die Wege zwischen den genannten Institutionen zu verkürzen. Zusammen mit dem Martinistift richtet die Ärztliche Kinderschutzambulanz im kommenden Jahr eine geschlossene Intensivgruppe für sexuell übergriffig agierende männliche Kinder und Jugendliche ein. Nicht, um die Jugendlichen „wegzusperren“, sondern um sie überhaupt für therapeutische Maßnahmen erreichbar zu machen und der Verfestigung pädophiler Anlagen vorzubeugen. Natürlich kosten sowohl ambulante Hilfen als auch die Heimunterbringung den Staat einiges an finanziellen Mitteln. „Langfristig sind aber auch die Folgekosten von unterlassener Hilfe und mangelnder Betreuung zu sehen“, warnt Strässer. Die Leiterin der Ambulanz weiß nur zu gut: „Überforderte Eltern können ihren Kindern keinen strukturierten Tagesablauf vorleben und neigen zu Vernachlässigung. Deshalb sind kostenlose und gute Bildungs- und Betreuungsangebote in Schulen und Kindergärten von entscheidender Bedeutung, um die Spirale von Vernachlässigung und Misshandlung zu durchbrechen.“