Christoph Strässer

22.11.2006

Elterngeld ermutigt Väter zur „Babypause“

„Es gibt immer mehr Frauen, die auf Grund von finanzieller Not und Arbeitsplatzunsicherheit einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen.“ Das ist eine der Erkenntnisse aus dem Gespräch, dass der münsteraner SPD Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer und die SPD Ratsfrau Beanka Ganser mit Pro Familia führten. Adelheid Kubitz-Eber und Bernd Schweppe von der Pro Familia Beratungsstelle Münster thematisierten im Gespräch mit den SPD-Politikern vor allem zwei Bereiche, die ihre Beratungsarbeit beeinflussen: Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Verhütung und das gerade vom Gesetzgeber beschlossene neue Elterngeld. „Es ist besonders wichtig“ betonte Christoph Strässer, „auf Probleme, aber auch auf richtige Entscheidungen in der Gesetzgebung hingewiesen zu werden.“ Frau Kubitz-Eber und Herr Schweppe hatten ihren Gesprächspartnern von der SPD zuvor sowohl bestätigt, dass Hartz IV auch Verbesserungen gebracht habe, vor allem für Frauen, die nur vorübergehend im Erziehungsurlaub Hilfe benötigen. Allerdings schilderten sie besonders eindringlich, dass sich die Zahl derjenigen Frauen, die durch fehlende Verhütung schwanger wurden und bei Pro Familia Rat suchten, vor allem seit der Einführung von Hartz IV deutlich erhöht habe. „Für über 20-jährige gibt es keinerlei Zuschüsse zu Verhütungsmitteln mehr“ berichteten sie. „Das ist eines der Themen, die wir bei der regelmäßigen Überarbeitung der Sozialgesetzgebung, beachten müssen“ reagierte Strässer und versprach, diese Informationen weiterzugeben. „Bisher sind schon über 70 Änderungen an den Hartz IV-Regelungen vorgenommen worden“, erklärte der SPD-Abgeordnete und ermunterte Pro Familia auch in Zukunft Vorschläge für Verbesserungen zu machen. Beim Thema Elterngeld, dass Bundestag und Bundesrat erst kürzlich beschlossen, waren sich Pro Familia und die SPD- Politiker einig, dass der Ansatz des Elterngeldes, vor allem Väter zu ermuntern und zu ermöglichen im ersten Lebensjahr seines Kindes die Berufstätigkeit zu unterbrechen oder einzuschränken, richtig sei. Adelheid Kubitz-Eber von Pro Familia bemängelte allerdings, dass gerade für Alleinerziehende dieses Gesetz leider nicht greife und dass diese Menschen, fast ausschließlich Frauen, eher schlechter gestellt würden. Auch für andere Familien mit geringem Einkommen habe das neue Elterngeld finanzielle Verschlechterungen zur Folge. Strässer und Ganser betonten vor allem die Tatsache, dass mit dem Elterngeld ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan wurde, versprachen aber auch die geäußerte Befürchtung von Pro Familia weiterzugeben.