Christoph Strässer

25.05.2006

Deutschland auf Zuwanderung angewiesen

„Wir haben uns lange darüber hinweg gemogelt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, sagte Christoph Strässer als Mitglied der SPD-Fraktion des Bundestages. Diese hatte am Dienstag zu einem Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema „Integrationspolitik – Was kann das neue Zuwanderungsgesetz dazu beitragen“ ins Stadthotel eingeladen. Deutschland sei auf Zuwanderer angewiesen, weil sonst die Einwohnerzahl noch stärker sinken würde, als sie es durch den demographischen Wandel ohnehin tue, sagte der Politiker. Wenn Deutsche und Einwanderer zusammen in diesem Land wohnen, dann gäbe es dafür nur eine Leitkultur, nämlich die freiheitliche Grundordnung Deutschlands. “Hier leben etwa 14 Millionen Menschen mit Immigrationshintergrund, so dass das Thema auch qualitativ eine wichtige Aufgabe ist“, merkte Strässer an. Dabei dürfte es aber nicht um eine „Assimilation“ gehen, sondern um eine gegenseitige Integration. In der Realität gebe es aber eher ein Nebeneinander der Zuwanderer und der Deutschen, statt ein Miteinander. Denn viele würden sich aus Angst vor Identitätsverlust in die „Halt gebende Herkunftskultur“ zurückziehen. Allerdings sei die Integration nicht gescheitert, gaben Weihbischof Dr. Josef Voß und Spyros Marinos vom münsterschen Ausländerbeirat zu Bedenken. Die Kirchen hätten sich für das neue Zuwanderungskonzept eingesetzt, sagte Voß. „Wir hatten die Erwartung, dass ein Perspektivwechsel eingeleitet wird von „wir sind kein Einwanderungsland“ hin zu „ wir sind ein Zuwanderungsland“. Ferner hatte er damit gerechnet, dass Kettenduldungen abgeschafft würden. Immer noch lebten in Deutschland 193000 Menschen, die geduldet seien, so Strässer-„Auch wir wollen die Praxis abschaffen, aber es hat sich nichts geändert.“ Diese Personen lebten in Deutschland in Unsicherheit, denn eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, sei für sie fast unmöglich. Manche leben aber schon über ein Jahrzehnt in Deutschland. „Doch die Duldungen gibt es nur für Monate. Diese Praxis müsse abgeschafft werden, so Strässer.