Christoph Strässer

07.06.2006

„Rückschritt in die Informations-Steinzeit“

Münster- Seit 2004 plant das Bundesjustizministerium eine Reform des Urheberrechts. Rektorate und Bibliotheksleitung der Universität und der Fachhochschule Münster bezeichneten den vorliegenden Gesetznetwurf als Rückschritt in die Steinzeit des Informationszeitalters. Gestern kamen die Bundestagsabgeordneten der Region auf Einladung von Uni und FH in der Hüfferstiftung zusammen, um die Folgen des geplanten Gesetzes für die Wissenschaft zu diskutieren. FH - Rektor Prof. Klaus Niederdrenk und Universitäts-Prorektor Prof. Ulrich Müllerfunk kritisierten vor allem die neuen Bestimmungen zur digitalen Nutzung und Verschickung wissenschaftlicher Artikel. Bislang erlaubt es der elektronische Versand den Studierenden und Forschern auf Aufsätze zuzugreifen, die in den eigenen Bibliotheken nicht vorhanden sind. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Bibliotheken nur dann Zeitschriftenbeiträge verschicken dürfen, wenn die Verlage dies nicht selbst anbieten. Die Verlage wären berechtigt, für die Bereitstellung eines Artikels unbeschränkt hohe Gebühren zu erheben. Diese und andere geplante Gesetzesänderungen würden die Studienbedingungen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen verschlechtern und die Verlage einseitig begünstigen, so die Vertreter von Uni und FH. Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Quellen sei erschwert. Die an der Diskussion beteiligten Bundestagsabgeordneten zeigten Verständnis für die Bedenken der Wissenschaftler. Ruprecht Polenz (CDU) nannte die digitale Verfügbarkeit von Inhalten eine „große Chance“ und warnte vor einer Einschränkung. Auch Winfried Nachtwei (Grüne) befand den Entwurf als “zu restriktiv“ Christoph Strässer (SPD) und Daniel Bahr (FDP) betonten, über das Gesetz werde erst am Jahresende entschieden. Bis dahin müsse der Bundestag einen Kompromiss ausarbeiten.