Christoph Strässer

10.02.2006

Nein zu Kindersoldaten

Zum Red Hand Day am 12. Februar, dem weltweiten Appell gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten, erklärt der Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion, Christoph Strässer: Schätzungsweise 300.000 Kinder sind gegenwärtig zwangsweise rekrutriert oder mangels Lebensperspektive notgedrungen in militärischen Verbänden. Familiär entwurzelt, häufig drogenabhängig und durch das Erlebte schwer traumatisiert, kämpfen und töten die Kinder im Auftrag von gewissenlosen Milizenführern. Mädchen werden nicht nur als Kämpferinnen, sondern auch als Arbeits- und Sexsklavinnen eingesetzt. China Keitetsi führte ein solches Leben als Kindersoldatin. Mit ihrem Buch Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr beschreibt sie eindringlich die Schrecken dieses Lebens und appelliert an die internationale Gemeinschaft, den Einsatz von Kindersoldaten international zu ächten. China Keitetsi hat heute ein Gespräch mit Mitgliedern des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Deutschen Bundestag geführt. Dabei hat sie deutlich gemacht, dass es nicht nur darum geht, Kinder vor diesem Schicksal zu bewahren bzw. aktive Kämpferinnen und Kämpfer zu demobilisieren und in die Gesellschaft zu reintegrieren, sondern auch darum, dass die menschenverachtenden Milizenführer juristisch zur Verantwortung gezogen werden. Konsequenterweise muss der Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten mit Initiativen zur Begrenzung des Handels mit Kleinwaffen kombiniert werden. Kleinwaffen sind flexible und leicht handhabbare Kampfmittel, mit denen auch Kinder ausgerüstet werden können, die oft nicht älter als acht Jahre sind. Der UN-Aktionsplan gegen Kleinwaffen aus dem Jahr 2001 ist ein wichtiger Schritt zu einer restriktiven Handelspolitik. Es ist zu hoffen, dass die Überprüfungskonferenz im Sommer dieses Jahres positive Ergebnisse bringt, auch wenn bislang die größten Waffenproduzenten die heftigsten Gegner gesetzlicher Regelungen sind. Auch afrikanische Politiker setzen sich mit der Rolle von kleinen und leichten Waffen bei den militärischen Auseinandersetzungen auf ihrem Kontinent auseinander. In Dakar wird Ende des Monats ein regionales Parlamentarierseminar stattfinden, das sich unter anderem mit dieser Thematik beschäftigt. Vertreter der SPD-Fraktion werden daran teilnehmen. China Keitetsis Leben hat sich zum Guten gewandt. Dies hat sie insbesondere der Tatsache zu verdanken, dass sie 1999 in Dänemark die Chance zu einem Neubeginn erhielt. Dies könnte ein Denkanstoß für eine kindergerechte humanitäre Flüchtlings- und Asylpolitik sein.