Christoph Strässer

03.02.2006

Abschiebung droht täglich

Schlimmstenfalls geht es ganz schnell. Heute schon könnte die Familie Richtung Kosovo ausgewiesen werden. Weggeschickt von deutschen Behörden in eine ungewisse Zukunft. Ohne Perspektiven, aber mit Gefahr für Leib und Seele. Seit 1989 lebt die Familie Mashollaj in Deutschland, zog 1997 nach Münster. Ihr Aufenthalt hängt am seidenen Faden. Noch schützt der offizielle Status „Duldung“. Doch der ist äußerst labil, könnte jederzeit seine Gültigkeit verlieren. „Im Kosovo müssten wir ums Überleben kämpfen“, fasst Tochter Florjeta (21) die Tag und Nacht präsente Angst in Worte. Der Abschiebe-Termin für die Eltern und die drei Minder stand schon fest: 18. August 2005. Sechs Tage vor Ablauf der Frist empfahl die Härtefall-Kommission des Landes NRW, eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Begründung: Die Familie habe sich beispielhaft sozial und wirtschaftlich integriert. Vater Adem verdient als Raumpfleger den Lebensunterhalt, während die Kinder unter dem Status „Duldung“ keine Ausbildung beginnen dürfen. Am 25. Oktober 2005 wies die Ausländerbehörde das Ersuchen der Härtefallkommission ab. „Ein merkwürdiges Verhalten, normalerweise wird dem Ersuchen stattgegeben“, wundert sich Anna Laumeier. Sie ist Leiterin der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA), die der Familie hilft. In der Zwischenzeit war es nur deswegen nicht zur Abschiebung gekommen, weil UNMIK (Mission der Vereinten Nationen zur Übergangsverwaltung des Kosovo) sein Veto eingelegt hatte. Minderheiten wie den Ashkalis, denen die Mashollajs angehören, „drohen durch die Albaner Beleidigungen und Angriffe“, sagt SPD-Politiker Christoph Strässer, Experte für Menschenrechtsfragen. Nun sei ungewiss, wie lange UNMIK bei seiner Einschätzung bleibt, kritisiert Strässer die „unerträgliche Situation“ für 54000 ausreisepflichtige Kosovaren in Deutschland. Die Politik müsse Sicherheit für diese Menschen schaffen. Bis es mal so weit ist, könnte es für die Mashollajs zu spät sein. Daher hat die GGUA einen Brief an OB Tillmann geschickt. Ein Auszug: „Wir bitten Sie um Korrektur der Entscheidung Ihrer Behörde.“