Christoph Strässer

01.12.2005

Sexuelle Gewalt gegen Frauen fördert die Ausbreitung von AIDS

Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist nicht nur eine schwere Menschenrechtsverletzung, sondern trägt auch wesentlich zur Ausbreitung von AIDS bei. Deshalb sollten in die nationalen Anti-AIDS-Programme vermehrt Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen integriert und gesetzlich abgesichert werden. Der diesjährige Welt-AIDS-Tag unter dem Motto Stop AIDS. Keep the Promise ist mit einem Aufruf an die Regierungen verbunden, ihre Ankündigungen zur Bekämpfung der Pandemie rasch und konsequent umzusetzen. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren, denn die Situation ist alarmierend: Laut WHO sind weltweit über 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert oder bereits erkrankt. Allein in Sub-Sahara-Afrika leben 25 Millionen Infizierte; in Asien breitet sich AIDS rasant aus; und in den westlichen Staaten hat die Risikobereitschaft zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr wieder stark zugenommen. Der Kampf gegen AIDS ist jedoch mit Aufklärungs- und Gesundheitsprogrammen allein nicht zu gewinnen. Die rapide Ausbreitung von AIDS hat seine Ursache auch in gesellschaftlichen Strukturen. Es ist bekannt, dass mangelnde sexuelle Selbstbestimmung von Frauen beziehungsweise sexuelle Gewalt gegen Frauen eng mit der Ausbreitung von AIDS verbunden sind. In vielen Ländern, insbesondere in Afrika und Asien, haben Frauen und Mädchen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung kaum eine Chance, sich dem Risiko zu entziehen: Promiskuität ist weit verbreitet, Safer Sex lehnen viele Männer ab, und die Vergewaltigungsrate ist erschreckend hoch. Häufig auch mangelt es beiden Geschlechtern an der nötigen Aufklärung und am Bewusstsein für eine Gefahr, die zunächst nicht sichtbar ist. Männer wie Frauen spielen mit dem Leben. Es sind aber die Frauen, die bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr ein 2,5 Mal höheres Ansteckungsrisiko eingehen als dies die Männer tun. Weltweit sind 17,5 Millionen Frauen infiziert, davon drei Viertel Afrikanerinnen. Um die Ausbreitung von AIDS einzudämmen, müssen daher Gewalttaten gegen Frauen gesellschaftlich geächtet und die Täter bestraft werden. Dies fügt sich in das entwicklungspolitische Rahmenprogramm der Bundesregierung ein, in dem es darum geht, die Rechte der Frauen zu stärken und ihre soziale und politische Stellung zu verbessern. Vielerorts wird dies ein langwieriger und mühsamer Lernprozess sein, zu dem es jedoch keine Alternative gibt. 300 Millionen Euro stellt die Bundesregierung jährlich für den Kampf gegen AIDS zur Verfügung, insbesondere für präventive Aufklärung, soziale Vermarktung von Kondomen und für Gesundheitsprogramme. Nicht minder wichtig sind jedoch stärker politisch ausgerichtete Programme zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter, wie dies in den Milleniums-Entwicklungszielen formuliert ist. Der Blick darf nicht nur zu anderen Kontinenten gehen. Handlungsbedarf besteht auch in Europa und bei uns in Deutschland. Beispielsweise haben Frauen, die als Zwangsprostituierte arbeiten müssen, häufig keine Möglichkeit, sich mit Kondomen zu schützen, und tragen so zur Ausbreitung von AIDS bei. Die Bekämpfung von Menschenhandel und Zwangsprostitution steht ganz oben auf der Agenda der neuen Bundesregierung. Sie wird auch dadurch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Bekämpfung von AIDS leisten.