Christoph Strässer

01.09.2005

Täglich 1.500 Arbeitsplätze mehr

Die Arbeitslosigkeit ist im August gegenüber Juli so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr gesunken. Besonders erfreulich ist die Zunahme an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Nachdem der Abbau im Frühjahr gestoppt werden konnte, zeigt sich nun eine Zunahme von 146.000 regulären Arbeitsplätzen zwischen April und Juni. Die Zahl der Arbeitslosen ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im August gegenüber Juli um 44.000 auf 4,728 Millionen zurückgegangen. Das ist der stärkste Rückgang der Arbeitslosigkeit im Monat August seit zehn Jahren, betonte Bundeswirtschaftsminister Clement bei der Vorstellung der Arbeitslosenstatistik am 31. August. Trendumkehr am Arbeitsmarkt Die Arbeitslosenquote liegt im August bundesweit bei 11,4 Prozent (nach 11,5 Prozent im Juli) - im Westen bei 9,6 Prozent (wie im Juli), im Osten 18,2 Prozent (nach 18,6 Prozent im Juli). Nach der international gebräuchlichen Statistik ILO, die immer ein Monat später erstellt ist, waren im Monat Juli 9,2 Prozent bundesweit arbeitslos. Damit liegt Deutschland im europäischen Durchschnitt. Auch die saisonbereinigten Zahlen zeigen einen Rückgang von 81.000 Arbeitslosen von Juni bis August, davon fallen 12.000 in den August. Gegenüber dem Vorjahr ist die Arbeitslosenzahl zwar nominal um 382.000 höher, davon sind aber etwa 300.000 Arbeitslose auf den statistischen Hartz IV-Effekt zurückzuführen. Trendwende: Wieder Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Stellen Wichtig ist, dass die Trendwende nicht nur der Zunahme von geringfügiger Beschäftigung, Ich-AGs oder Ein-Euro-Jobs geschuldet ist, sondern auch die reguläre Beschäftigung wieder zunimmt. Von April bis Juni liegt der Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze bei 146.000 Stellen, das sind fast 1.500 am Tag. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nahm im Juli saisonbereinigt um 30.000 zu. Im Vergleich zum Vorjahr gab es nach Angaben der BA mit 38,97 Millionen Erwerbstätigen nominal 83.000 mehr erwerbstätige Personen. Im Juni hatte der vergleichbare Anstieg noch 22.000 Personen betragen. Zu diesem Trendwechsel passt, das im Jahr 2004 erstmals wieder mehr gearbeitet wurde: Die Zahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Arbeitsstunden ist um knapp 1 Prozent, um 0,8 Prozent gestiegen, sagte Bundesminister Clement. Auch die kontinuierliche Zunahme der offenen Stellen seit Ende 2004 spreche für eine Trendwende, die BA schätze die Zahl der offenen Stellen derzeit auf 900.000. Eine Unternehmensgründung pro Minute Auch die Zunahme an selbstständigen Existenzen und Unternehmen spricht für eine Erholung des Arbeitsmarktes: Im ersten Quartal 2005 hat es 43.000 mehr Unternehmensgründungen als Insolvenzen gegeben. Das gesamte letzte Jahr betrachtet, habe es in Deutschland rein rechnerisch eine Unternehmensgründung pro Minute gegeben, berichtete Clement. Ausbildungsmarkt weiterhin angespannt 195.300 noch nicht vermittelten Bewerbern standen im August 50.700 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Damit liegt die rechnerische Lücke bei 144.700. Bis September wird sich die Lücke auf circa 30.000 schließen und liegt damit etwa so hoch wie im Vorjahr. Die Zahl der Jugendlichen, die länger als drei Monate arbeitslos sind, ist gegenüber dem Vormonat Juli um 26.000 zurückgegangen. Clement wies darauf hin, dass bei den Jugendlichen das Problem mangelnder Qualifikation besonders groß sei: Ein Drittel der unter 25-Jährigen habe keinen Schulabschluss, Zweidrittel hätten keine Ausbildung.