Christoph Strässer

24.08.2005

„Mein Wille zählt – bis zuletzt“

Im voll besetzten Tagungssaal des Mercure Hotels diskutierten am gestrigen Mittwoch Christoph Strässer, MdB und Joachim Stünker, MdB und rechtspolitischer Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion mit ca. 80 Interessierten aus Patientenverbänden, Vertretern der Ärztekammer, Angehörigen und Pflegern das wichtige Thema Patientenverfügung. Christoph Strässer erläuterte, dass heute 90 % der Menschen nicht mehr Zuhause, sondern in Kliniken und Pflegeheimen sterben und sich immer mehr einer mitunter beängstigenden Apparatemedizin am Ende des Lebens ausgeliefert sehen. Es gebe in Deutschland schätzungsweise bereits 7 Millionen Patientenverfügungen. Die Frage, inwieweit eine solche Verfügung für den Arzt verbindlich sei, ist bisher nicht hinreichend geklärt. Deshalb ist eine rechtliche Regelung als Rahmenbedingung dringend erforderlich. Eine Patientenverfügung sorgt für ein größeres Maß an Rechtssicherheit für die Patienten, aber auch für Angehörige, Ärzte und Pfleger. Liegt eine schriftliche, unterschriebene Verfügung vor, soll der Wille des Patienten gelten. Bestehen Zweifel, ist es Aufgabe des Betreuers, der vorher bestimmt wurde, gemeinsam mit dem Arzt den Willen des Patienten festzustellen. z.B. wenn die Verfügung schon mehrere Jahre alt oder undeutlich formuliert ist. Nur in Zweifelsfällen entscheidet ein Vormundschaftsgericht. Es gehe ausdrücklich nicht um aktive Sterbehilfe, sondern um eine vernünftige Lösung für den Patienten, bei der das Selbstbestimmungsrecht entscheidend sein sollte. „Was ich schriftlich verfügt habe, soll gelten“, forderten einige in der einstündigen Diskussion. Joachim Stünker berichtete aus eigener Erfahrung unter anderem als langjähriger Richter an einem Vormundschaftsgericht von Konflikten, in denen sich Angehörige und Ärzte häufig befänden. Er riet den Anwesenden bei der Abfassung einer Patientenverfügung Hilfe, wie sie z.B. Hospize, Ärzte oder in Münster das Gesundheitshaus anbietet, in Anspruch zu nehmen und den Inhalt der Verfügung in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.